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Meyerholds Theatrale Biomechanik

Nachdem der russische Schauspieler und Pädagoge Gennadij Nikolaevich Bogdanov 1990 als authentischer Vertreter von Meyerholds Biomechanik bekannt wurde, koordinierte das damalige mime centrum ab 1991 die europaweite Organisation regelmäßiger und sich auf verschiedenen Leveln entwickelnder Arbeitsformate und theaterpraktischer
Projekte. Beginnend mit der ersten öffentlichen Arbeitsdemonstration dieser Methode 1991 im Berliner Ensemble organisierte das mcb Workshops in Italien, Frankreich, Griechenland, Belgien und den Niederlanden sowie das erste internationale Arbeitskolloquium 1993 am GITIS in Moskau.

Auf Initiative der Berliner Festspiele kam es 1995 im Rahmen der Ausstellung „Moskau – Berlin. Berlin – Moskau“ zu einer Kooperation zwischen den Festspielen, der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin (HfS), dem mime centrum und Gennadij Bogdanov mit dem Ziel der erstmaligen Anwendung der Methode in der zeitgenössischen Theaterpraxis. Unter der Regie von Thomas Ostermeier und Christian von Treskow – seinerzeit noch Studierende der HfS – entstanden zwei von der Theaterkritik einhellig und zum Teil euphorisch gefeierte Inszenierungen. Seit dieser Zeit ist die Biomechanik Meyerholds ein wiederkehrendes Element in der Ausbildung aller Studiengänge der HfS Berlin.

1997 veröffentlichte das mcb gemeinsam mit Jörg Bochow Buch und Film „Das Theater Meyerholds und die Biomechanik“, im gleichen Jahr inszenierten Bogdanov und
Thomas Ostermeier gemeinsam an der „Baracke“ des Deutschen Theaters Brechts „Mann ist Mann“ auf Basis der theatralen Biomechanik.
Mit der Neubesetzung der Intendanz der Schaubühne am Lehniner Platz 1999 erfolgte durch Thomas Ostermeier und Gennadij Bogdanov ein einführender Trainingsprozess der Biomechanik für das neue Schauspielensemble.

Das mcb organisierte über Jahre zahlreiche Projekte und Demonstrationen der Methode in Deutschland (Staatsoper unter den Linden, Schirn Frankfurt u.a.) und entwickelte zusammen mit Akteuren aus Manchester (Großbritannien) und Perugia (Italien) ein kleines europäisches Netzwerk praktischer Theaterarbeit, es entstanden und entstehen zahlreiche Inszenierungsprojekte.

Die theatrale Biomechanik erhält als Schauspielmethode eine zunehmende Bedeutung in der Ausbildung an staatlichen und privaten Schauspielschulen. Über die Theaterwissenchaft und die Schauspielausbildung hinaus verstärkt sich in den letzten Jahren das Interesse aus dem weiten Feld der Theaterpädagogik. Zunächst primär auf die Trainingsmethodik konzentriert, interessieren sich Theaterpädagog*innen, Leiter*innen von theaterpädagogischen Zentren sowie Schulpädagog*innen zunehmend für die vielfältigen Anwendungsmöglichkeitenvon von Meyerholds Biomechanik auch im Bereich der kulturellen Bildung.